Letzte Hilfe Kurs

Die meisten von uns haben mindestens einmal im Leben einen Erste Hilfe Kurs absolviert – nämlich als wir den Führerschein gemacht haben. Bei vielen von uns war’s das dann aber auch mit der Ersten Hilfe. Ich selbst war über 20 Jahre Ersthelferin bei meinem alten Arbeitgeber und habe jedes Jahr die Auffrischung des Erste Hilfe Kurses gemacht – und ihr könnt mir glauben, dass ich mittlerweile einiges vergessen habe (trotz der Jahrelangen Wiederholungen!).

Den Erste Hilfe Kurs haben wir also auf dem Schirm, den kennt jede und jeder. Aber was bitte ist ein Letzte Hilfe Kurs? Geht’s da um aktive Sterbehilfe?

Was ist das denn?

Das ist etwas unfassbar Hilfreiches.

Es geht darum, Sterbenden in ihren letzten Lebensphasen, in ihrer Sterbensphase, beizustehen. Denn mit dem Tod konfrontiert zu sein, ist für die meisten Menschen immer noch ein Tabu und es fällt uns schwer, „das Richtige“ zu tun.

Als ich meinen Vater vor etwas über zwei Jahren im Pflegeheim auf seinem letzten Weg begleitet habe, hätte ich mir so sehr gewünscht, dass mir jemand zur Seite steht.

Dass ich nicht alleine mit dem langsamen Sterben meines Vaters bin.

Dass ich gewusst hätte, was ich besser hätte machen können.

Ich hätte mir gewünscht, dass ich von einem letzte Hilfe Kurs gewusst hätte.

Ich habe im Januar 2024 schon einmal an einem solchen Kurs teilgenommen, hier in Mannheim bietet das die Abendakademie an – organisiert vom Hospizdienst des ASB Mannheim – aber damals war ich noch zu sehr damit beschäftigt, den Tod und mein (vermeintliches) eigenes Versagen im Sterben meines Vaters zu verarbeiten.

Beeindruckt haben mich die knapp 4 Stunden Kurs dennoch sehr.

Diesen Kurs habe ich zwischenzeitlich noch einmal besuchen dürfen, diesmal mit wachem Geist und vor dem Hintergrund der Ausbildung zur Hospizbegleiterin und zur Trauerbegleiterin. Ich habe in der Zwischenzeit viel Wissen zum Thema Sterben und Tod und Trauer gewonnen und konnte daher diesen Kurs aus einem anderen Blickwinkel heraus besuchen als beim ersten Mal.

Wieder wurde der Kurs von den Organisatorinnen des ambulanten Hospizdienstes des ASB Rhein-Neckar, Christiane Pröllochs und Doris Detering, sehr einfühlend und achtsam, mit ganz viel Wissen und Herzenswärme geleitet.

Jetzt erzähle ich euch ein bisschen von diesem Kurs, der mich auch dieses Mal tief beeindruckt hat.

Ja, ich weiß: wir alle stehen mitten im Leben, das Thema Sterben ist noch ganz weit weg und damit will keiner was zu tun haben. Aber unsere Eltern werden älter, die geliebte Tante, der Onkel, der Opa – wenn der Zeitpunkt gekommen ist, einen Pflege- oder Hospizplatz organisieren zu müssen, ist keine Zeit mehr für diesen wichtigen Kurs. Beim letzte Hilfe Kurs geht es darum, einen sterbenden Menschen zu umsorgen, ihm oder ihr die letzte Lebensphase so angenehm und schmerzfrei wie möglich zu gestalten und einfach da zu sein.
Gegliedert ist dieser Kurs in 4 Teile:

  • Sterben ist ein Teil des Lebens
  • Vorsorgen und Entscheiden
  • Leiden lindern
  • Abschied nehmen

Wichtig ist Christiane Pröllochs und Doris Detering immer die ganzheitliche Betrachtung des Sterbeprozesses – so, wie es Cicely Saunders auch immer gesehen hat:

Wenn Menschen im Sterben liegen, werden sie meistens palliativ betreut. Viele Missverständnisse stecken hinter diesem Begriff, denn oft denken Menschen, wenn sie das Wort „Palliativ“ hören, dass es um das Lebensende geht. Dass man auf eine Palliativstation zum Sterben kommt.

Aber das stimmt nicht!

Palliativ behandelt zu werden, bedeutet, dass die Lebensqualität von Patienten durch das Lindern von Leiden verbessert wird. Und zwar nicht nur mit Medikamenten, sondern auch psychchosozial und nicht zuletzt spirituell. Palliative Care möchte die bestmögliche Lebensqualität für die Betroffenen und eine liebevolle, umhüllende Fürsorge und Unterstützung der An- und Zugehörigen geben.

Auch Themen wie die Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung etc. werden im Letzte Hilfe Kurs angesprochen.

Oft sind An- und Zugehörige mit den Schmerzen und dem Leiden der Sterbenden Menschen überfordert.

Man fühlt sich so furchtbar hilflos!

Gerade, wenn die Sterbenden sich nicht mehr artikulieren können. Aber auch hier lernte ich, was ich selbst tun kann, auch ohne auf Medikamente zurückzugreifen. Wie der Sterbeprozess vor sich geht. Welche Alternativen es gibt, um dem geliebten Menschen Beistand und Trost – ja, auch ein bisschen Linderung zu geben.

Am Ende eines Lebens kommt immer auch das Abschiednehmen.

Das, was lange nicht gesagt wurde, auszusprechen.

Zuhören. Erinnerungen teilen.

Vergeben – oder auch um Vergebung bitten.

Weinen.

Spiritualität miteinander erleben und teilen.

Kleine Abschiedsrituale miteinander zelebrieren.

Schweigen.

Sich die Zeit für den Abschied nehmen.

Der letzte Lebensabschnitt ist in fast allen Fällen hochemotional – und auch diese Emotionalität findet ihren angemessenen Raum im Letzte Hilfe Kurs.

Sterben ist jedoch in heutiger Zeit nicht nur eine Phase der Emotionalität und des Abschiedes, sie ist auch mit vielen Formalitäten verbunden. Welche hier wichtig sind, wohin man sich wenden kann und wo Hilfe zu finden ist, wird vermittelt.

Und am Ende steht die Trauer.

Trauer ist so individuell und unterschiedlich, wie wir Menschen sind! Es gibt nicht die „richtige“ oder „falsche“ Trauer. Es gibt kein Ablaufdatum für Trauer und es gibt keine Vorgaben, wie Trauer zu erleben ist. Die bekannte Trauerbegleiterin Chris Paul hat gesagt: „Trauern ist die Lösung, nicht das Problem. Menschen wissen beim Tod eines sehr vertrauten Menschen nicht, wie es weitergehen soll. Doch die menschliche Seele hat eine Art Programm entwickelt, um das eigene Weiterleben zu ermöglichen – das ist der Trauerprozess.“

Was Trauer ist und was Trauerbegleitung bedeutet, darauf werde ich in einem anderen Blogartikel noch eingehen. Was mir im Zusammenhang mit dem Letzte Hilfe Kurs wichtig ist: die Trauer und der Abschied finden Platz in diesem Kurs.

Ich kann jeder und jedem nur empfehlen, einen solchen Kurs zu besuchen. Wir müssen nach meinem Dafürhalten unbedingt damit anfangen, den Tod in unser Leben zu integrieren! Denn machen wir uns nichts vor: aus diesem Leben kommt keiner lebend raus. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Ende des Lebens zu beschäftigen. Mit dem Letzte Hilfe Kurs kann man damit anfangen. Googelt einfach „Letzte Hilfe Kurs in der Nähe“ und ihr werdet erstaunt sein, welche Angebote es in eurer Region gibt. Viele Hospize bieten den Kurs an, viele Palliativstationen, Hospizbegleitungen, aber auch Volkshochschulen. Es sind ca. 4 Stunden investierte Lebenszeit plus ein relativ kleiner finanzieller Obulus. Gewinnen werdet ihr unbezahlbare Erkenntnisse zum Sterben – und im besten Fall wird euch ein wenig die Angst vor dem Tod genommen.

Dieser Beitrag wurde am 22. Januar 2026 von Antje Prussait veröffentlicht.

4 Gedanken zu „Letzte Hilfe Kurs

  1. Uschi Weimer

    Wie immer sind Ihre Texte,liebe Frau Prussait, brillant geschrieben und ich lese diesen mit großem Interesse.Das Thema Tod ist ein schwieriges und trotzdem sollte man sich damit befassen.Ich mußte das in meiner Familie schon mehrfach tun und bin da ein bißchen „ reingewachsen“.Für Menschen,die mit dem Thema noch nie konfrontiert waren ist so ein Letzte Hilfe Kurs sicher eine hilfreiche Sache.
    Danke für‘s Teilen.

    Antworten
    1. Antje Prussait Beitragsautor

      Liebe Frau Weimer, Sie haben absolut Recht: das Thema Tod ist für viele ein schweres Thema. Umso wichtiger ist es, wie ich finde, sich damit auseinander zu setzen! Und der Letzte Hilfe Kurs kann da bestimmt helfen. Ihnen alles Gute und Danke für Ihre Worte!

  2. Andrea

    Liebe Antje,

    danke, dass du so ausführlich auf diesen tollen Kurs aufmerksam machst. Ich fand den Kurs auch enorm hilfreich, und wie du hätte ich mir gewünscht, beim Tod meines Vaters, das alles schon gewusst zu haben. Vieles wird einem im Nachhinein verständlich.

    Ich wünsche deinem Blogpost viele interessierte Leser*innen, damit immer mehr Menschen auf diesen so wertvollen Kurs aufmerksam werden, oder alleine um sich mit dem Thema zu beschäftigen. Denn wie du so treffend schreibst, wenn das Thema erstmal im Raum steht, dann fehlt meistens die Zeit einen solchen Kurs zu belegen.

    Liebe Grüße
    Andrea

    Antworten
    1. Antje Prussait Beitragsautor

      Ach, du Liebe! Ja, du hast Recht: das Thema muss vielen Menschen (noch) viel bewusster gemacht werden. Und wenn man sich mal damit beschäftigt, merkt man schnell: tut gar nicht weh. Danke für deine Worte! Auf Bald, Antje

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert